Volkskrankheiten gehören zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen in Deutschland. Dazu zählen unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Übergewicht und chronische Atemwegserkrankungen. Sie betreffen einen großen Teil der Bevölkerung und können die Lebensqualität über viele Jahre beeinflussen.
Auch 2026 zeigen die aktuellen Gesundheitsdaten: Das Alter der Bevölkerung, Lebensstilfaktoren und bessere diagnostische Möglichkeiten prägen die Entwicklung der Krankheitszahlen. Dabei ist es wichtig, zwischen der Zahl neu diagnostizierter Erkrankungen, der Zahl der Betroffenen und der Zahl der Todesfälle zu unterscheiden.
Volkskrankheiten 2026 im Überblick
| Erkrankung | Aktuelle Kennzahl für Deutschland | Einordnung |
|---|---|---|
| Herz-Kreislauf-Erkrankungen | rund 339.200 Todesfälle 2024 | häufigste Todesursachengruppe |
| Krebs | rund 230.400 Todesfälle 2024 | zweithäufigste Todesursache |
| Diabetes mellitus | ca. 10,3 % der Erwachsenen | etwa 7 Millionen Menschen mit ärztlich diagnostiziertem Diabetes |
| Übergewicht inkl. Adipositas | 46,6 % der Frauen, 60,5 % der Männer | Daten aus GEDA 2019/2020 |
| Adipositas | 19 % der Erwachsenen | Daten aus GEDA 2019/2020 |
| Chronische Erkrankung | 53,7 % der Erwachsenen | RKI-Panel 2024 |
| Chronische Atemwegserkrankungen | Asthma und COPD gehören zu den wichtigen chronischen Erkrankungen | insbesondere COPD im höheren Erwachsenenalter relevant |
Die Daten stammen aus unterschiedlichen Erhebungsjahren und Methoden. Deshalb lassen sich die Werte nicht zu einer gemeinsamen Rangliste der „häufigsten Krankheiten“ zusammenrechnen. Gerade bei Prävalenzdaten liegen teilweise noch keine vergleichbaren bundesweiten Ergebnisse für 2026 vor.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben besonders bedeutend
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weiterhin im Mittelpunkt der deutschen Gesundheitsstatistik. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts verursachen sie etwa 40 Prozent aller Todesfälle in Deutschland. Zu den wichtigen Krankheitsbildern gehören unter anderem koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall.
Die endgültige Todesursachenstatistik für 2024 weist 339.212 Todesfälle aufgrund von Krankheiten des Kreislaufsystems aus. Das entspricht mehr als einem Drittel aller Todesfälle. Gegenüber 2023 ging die Zahl um 2,6 Prozent zurück.
Zu den wichtigen beeinflussbaren Risikofaktoren zählen unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Adipositas, Rauchen, Bewegungsmangel und eine ungünstige Ernährung.
Krebs: Mehr Todesfälle, aber sinkende altersstandardisierte Sterblichkeit
Auch Krebs gehört zu den wichtigsten Volkskrankheiten. Im Jahr 2024 starben in Deutschland rund 230.400 Menschen an einer Krebserkrankung. Damit war Krebs nach den Krankheiten des Kreislaufsystems die zweithäufigste Todesursache.
Interessant ist allerdings die Entwicklung über einen längeren Zeitraum: Obwohl die absolute Zahl der Krebstodesfälle gegenüber 2004 um 10,1 Prozent gestiegen ist, sank die altersstandardisierte Sterblichkeit deutlich. 2024 entfielen 273,5 Krebstodesfälle auf 100.000 Einwohner, 2004 waren es noch 322,4.
Ein wichtiger Grund für die steigende absolute Zahl ist die Alterung der Bevölkerung. Gleichzeitig haben sich Behandlungsmöglichkeiten, Früherkennung und Prävention weiterentwickelt.
Lungen- und Bronchialkrebs war 2024 mit rund 45.100 Todesfällen die häufigste krebsbedingte Todesursache. Es folgten unter anderem Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs.
Diabetes betrifft Millionen Menschen
Diabetes mellitus ist eine weitere zentrale Volkskrankheit. Nach aktuellen Angaben des Robert Koch-Instituts wurde bei 10,3 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren bereits Diabetes diagnostiziert. Das entspricht etwa sieben Millionen Menschen.
Mehr als 90 Prozent der Diabeteserkrankungen entfallen auf Typ-2-Diabetes. Typ-1-Diabetes entsteht dagegen durch eine autoimmune Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen und tritt häufig bereits im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter auf.
Problematisch ist insbesondere ein über längere Zeit nicht erkannter oder schlecht eingestellter Diabetes. Er kann unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden, Sehstörungen und weitere Folgeerkrankungen erhöhen.
Bluthochdruck: Ein wichtiger Risikofaktor
Bluthochdruck gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Robert Koch-Institut nennt unter anderem Bewegungsmangel, Übergewicht, ungünstige Ernährung, Stress und erhöhten Alkoholkonsum als relevante Risikofaktoren.
Das Problem: Bluthochdruck verursacht häufig lange Zeit keine eindeutigen Beschwerden. Regelmäßige Blutdruckmessungen können deshalb dazu beitragen, erhöhte Werte frühzeitig zu erkennen.
Für die Einordnung aktueller Zahlen sollte allerdings berücksichtigt werden, dass verschiedene Studien unterschiedliche Altersgruppen, Messmethoden und Zeiträume verwenden. Eine einzelne Prozentzahl beschreibt daher nicht automatisch die gesamte Bevölkerung im Jahr 2026.
Übergewicht und Adipositas bleiben ein großes Thema
Auch Übergewicht und Adipositas spielen bei der Entwicklung verschiedener chronischer Erkrankungen eine wichtige Rolle. Nach den auf Selbstangaben beruhenden Daten der RKI-Studie GEDA 2019/2020 waren 46,6 Prozent der Frauen und 60,5 Prozent der Männer in Deutschland von Übergewicht einschließlich Adipositas betroffen.
Eine Adipositas lag bei rund 19 Prozent der Erwachsenen vor.
Dabei weist das RKI ausdrücklich darauf hin, dass selbst angegebene Körpergröße und Gewicht die Prävalenz tendenziell unterschätzen können. Die Werte sind deshalb nicht ohne Weiteres mit Untersuchungen vergleichbar, bei denen Körpergröße und Gewicht tatsächlich gemessen werden.
Chronische Erkrankungen betreffen mehr als die Hälfte der Erwachsenen
Ein Blick auf chronisches Kranksein verdeutlicht die breite Bedeutung dieser Erkrankungsgruppe. Im RKI-Panel 2024 gaben 53,7 Prozent der Erwachsenen an, chronisch krank zu sein. Bei Frauen lag der Anteil bei 57,2 Prozent, bei Männern bei 50,0 Prozent.
Chronische Erkrankungen können sehr unterschiedlich sein. Dazu gehören beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, bestimmte Krebserkrankungen und viele weitere Krankheitsbilder.
Mit zunehmendem Alter steigt außerdem die Wahrscheinlichkeit, gleichzeitig an mehreren Erkrankungen zu leiden. Das stellt auch das Gesundheitssystem vor besondere Herausforderungen.
COPD und Asthma als wichtige Atemwegserkrankungen
Zu den bedeutenden chronischen Atemwegserkrankungen zählen COPD und Asthma bronchiale. Das Robert Koch-Institut bezeichnet COPD als häufige Erkrankung und als eine führende Ursache von Krankheitslast im höheren Erwachsenenalter.
Rauchen gilt als wichtigster Risikofaktor für COPD in Deutschland. Bei Asthma spielen dagegen unter anderem allergische und weitere individuelle Faktoren eine Rolle. Besonders bei Kindern und Jugendlichen zählt Asthma zu den wichtigen Ursachen gesundheitlicher Beeinträchtigungen.
Was sagen die Zahlen für 2026 aus?
Die aktuellen Statistiken zeigen vor allem, dass Volkskrankheiten nicht isoliert betrachtet werden sollten. Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck stehen beispielsweise in engem Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig beeinflussen Alter, soziale Lebensbedingungen, Bewegung, Ernährung und Tabakkonsum die gesundheitliche Situation.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Datenlage. „Aktuell“ bedeutet bei Gesundheitsstatistiken nicht zwangsläufig, dass sämtliche Zahlen aus dem Jahr 2026 stammen. Viele belastbare epidemiologische Untersuchungen benötigen mehrere Jahre für Erhebung, Auswertung und Veröffentlichung. Deshalb werden 2026 teilweise weiterhin Daten aus 2024, 2020 oder früher verwendet.
Prävention bleibt ein wichtiger Ansatz
Viele Volkskrankheiten lassen sich nicht vollständig verhindern. Dennoch können bestimmte Risikofaktoren beeinflusst werden. Dazu gehören beispielsweise Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, unausgewogene Ernährung und ein dauerhaft erhöhter Blutdruck.
Regelmäßige Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Besonders bei Erkrankungen wie Krebs oder Bluthochdruck ist die frühzeitige Erkennung von Bedeutung.
Dabei sollten allgemeine Statistiken nicht mit dem individuellen Erkrankungsrisiko gleichgesetzt werden. Persönliche Risikofaktoren und Beschwerden sollten ärztlich beurteilt werden.
Fazit
Die neuesten verfügbaren Zahlen zeichnen auch 2026 ein deutliches Bild: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs verursachen zusammen mehr als die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland. Gleichzeitig betrifft diagnostizierter Diabetes etwa sieben Millionen Erwachsene. Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck und chronische Atemwegserkrankungen gehören ebenfalls zu den zentralen gesundheitlichen Themen.
Die Entwicklung einzelner Kennzahlen ist jedoch differenziert. Bei Krebs beispielsweise steigt die absolute Zahl der Todesfälle unter anderem aufgrund der alternden Bevölkerung, während die altersstandardisierte Sterblichkeit langfristig zurückgegangen ist.
Wer Gesundheitsstatistiken miteinander vergleicht, sollte deshalb immer auf Erhebungsjahr, Altersgruppe, Definition und Datenquelle achten. Erst dadurch wird aus einer einzelnen Zahl eine aussagekräftige Information über die gesundheitliche Lage in Deutschland.
Quellen und weiterführende Informationen: