Die Nieren filtern täglich große Mengen Blut und entfernen dabei Stoffwechselprodukte sowie überschüssige Flüssigkeit. Zur Beurteilung der Nierenfunktion werden deshalb verschiedene Blut- und Urinwerte herangezogen. Besonders bekannt sind Kreatinin, Harnstoff und die glomeruläre Filtrationsrate (GFR beziehungsweise eGFR).
Eine Übersicht der wichtigsten Nierenwerte kann dabei helfen, einen Laborbefund besser zu verstehen. Allerdings sind allgemeine Tabellenwerte nur eine Orientierung. Referenzbereiche können je nach Labor, Messverfahren, Alter, Geschlecht und weiteren Faktoren abweichen. Das Bundesportal gesund.bund.de weist ebenfalls darauf hin, dass Vergleichswerte unter anderem von Alter und Geschlecht abhängen.
Disclaimer: Bei diesem Beitrag handelt es sich nicht um eine fachmedizinische Beratung. Wir können Ihnen keine Heilversprechen vermitteln. Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen Ihren Arzt!
Nierenwerte Normalwerte Tabelle 2026
| Nierenwert | Abkürzung | Typischer Orientierungsbereich Erwachsene | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Kreatinin | CREA | Frauen etwa 0,5–1,0 mg/dl | Stoffwechselprodukt, das über die Nieren ausgeschieden wird |
| Kreatinin | CREA | Männer etwa 0,7–1,2 mg/dl | Stoffwechselprodukt aus dem Muskelstoffwechsel |
| Harnstoff | Urea | etwa 17–43 mg/dl | Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels |
| eGFR | eGFR | meist ≥ 90 ml/min/1,73 m² | Geschätzte Filterleistung der Nieren |
| Cystatin C | CysC | laborabhängig | Alternative beziehungsweise Ergänzung zur Kreatinin-basierten Nierenfunktionsbestimmung |
| Harnsäure | HRS | Frauen etwa 2,4–6,0 mg/dl | Stoffwechselprodukt, das unter anderem über die Nieren ausgeschieden wird |
Die genannten Bereiche sind keine universellen Grenzwerte. Entscheidend ist der Referenzbereich des jeweiligen Labors.
Kreatinin: Der wichtigste klassische Nierenwert
Kreatinin entsteht als Stoffwechselprodukt aus Muskelgewebe und wird normalerweise über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Deshalb wird Kreatinin häufig im Blut bestimmt, um die Nierenfunktion einzuschätzen.
Steigt der Kreatininwert im Blut an, kann dies darauf hindeuten, dass die Nieren Kreatinin nicht mehr ausreichend ausscheiden. Allerdings hängt die Konzentration auch von der Muskelmasse ab.
Das ist besonders wichtig bei der Interpretation: Ein muskulöser Mensch kann einen höheren Kreatininwert aufweisen, ohne dass zwangsläufig eine Nierenerkrankung vorliegt. Umgekehrt kann bei älteren oder sehr muskelarmen Menschen die Kreatininkonzentration trotz eingeschränkter Nierenfunktion relativ niedrig erscheinen.
Deshalb wird Kreatinin häufig nicht isoliert beurteilt, sondern zur Berechnung der eGFR verwendet.
Kreatinin Normalwerte nach Geschlecht
| Gruppe | Orientierungsbereich Kreatinin |
|---|---|
| Frauen | ca. 0,5–1,0 mg/dl |
| Männer | ca. 0,7–1,2 mg/dl |
| Kinder | abhängig von Alter und Körpergröße |
| ältere Menschen | individuelle Beurteilung besonders wichtig |
Männer haben im Durchschnitt mehr Muskelmasse, weshalb der Kreatinin-Referenzbereich häufig höher liegt als bei Frauen.
Ein einzelner leicht erhöhter Kreatininwert sollte daher nicht automatisch mit einer Nierenerkrankung gleichgesetzt werden.
Harnstoff: Was bedeutet der Wert?
Harnstoff entsteht beim Abbau von Eiweiß. Er wird über die Nieren aus dem Blut entfernt und mit dem Urin ausgeschieden. Harnstoff gehört deshalb ebenfalls zu den sogenannten Nierenretentionswerten.
Ein erhöhter Harnstoffwert kann bei einer eingeschränkten Nierenfunktion vorkommen. Allerdings ist Harnstoff deutlich weniger spezifisch als die eGFR.
Der Wert kann beispielsweise auch durch folgende Faktoren beeinflusst werden:
- eiweißreiche Ernährung
- Flüssigkeitsmangel
- verstärkten Eiweißabbau
- bestimmte Medikamente
- Blutungen im Magen-Darm-Bereich
- eingeschränkte Nierenfunktion
Ein niedriger Harnstoffwert kann dagegen unter anderem bei sehr eiweißarmer Ernährung oder bestimmten Lebererkrankungen vorkommen.
Daher sollte auch Harnstoff immer gemeinsam mit anderen Laborwerten betrachtet werden.
GFR und eGFR: Wie gut filtern die Nieren?
Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) beschreibt, wie viel Flüssigkeit die Nieren pro Zeiteinheit aus dem Blut filtern. In der alltäglichen Diagnostik wird häufig eine eGFR, also eine geschätzte GFR, angegeben.
Die eGFR wird unter anderem anhand des Kreatininwertes, des Alters und des Geschlechts berechnet. Moderne Berechnungsformeln verwenden dabei keine ethnische beziehungsweise rassische Korrektur. Die KDIGO-Leitlinie von 2024 beschreibt die Weiterentwicklung der GFR-Schätzgleichungen und berücksichtigt unter anderem aktuelle CKD-EPI- und EKFC-Ansätze.
Die Einheit lautet normalerweise:
ml/min/1,73 m²
Dabei wird die Nierenleistung auf eine standardisierte Körperoberfläche von 1,73 m² bezogen.
eGFR Tabelle nach Alter
Mit zunehmendem Alter sinkt die GFR bei vielen Menschen allmählich. Deshalb muss eine niedrigere eGFR bei älteren Menschen anders eingeordnet werden als derselbe Wert bei einer jungen Person.
Als grobe Orientierung kann folgende Tabelle dienen:
| Alter | Typischer Bereich beziehungsweise Orientierung |
|---|---|
| 18–29 Jahre | häufig > 90 ml/min/1,73 m² |
| 30–39 Jahre | häufig > 90 ml/min/1,73 m² |
| 40–49 Jahre | häufig etwa 80–120 ml/min/1,73 m² |
| 50–59 Jahre | häufig etwa 70–110 ml/min/1,73 m² |
| 60–69 Jahre | häufig etwa 60–100 ml/min/1,73 m² |
| 70–79 Jahre | häufig etwa 50–90 ml/min/1,73 m² |
| ab 80 Jahre | große individuelle Unterschiede |
Diese Altersbereiche sind keine offiziellen Diagnosegrenzen. Die Nierenfunktion nimmt mit dem Alter häufig ab, weshalb eine eGFR unter 90 ml/min/1,73 m² nicht automatisch eine chronische Nierenerkrankung bedeutet.
KDIGO weist ebenfalls darauf hin, dass GFR-Werte im Zusammenhang mit Alter, Verlauf und weiteren Befunden interpretiert werden müssen.
eGFR nach Geschlecht
Historisch wurden bei einigen GFR-Formeln unterschiedliche Faktoren für Männer und Frauen verwendet. Moderne Formeln berücksichtigen Geschlecht weiterhin teilweise, verzichten aber auf eine Korrektur nach ethnischer Zugehörigkeit.
Das Geschlecht kann deshalb bei der Berechnung der eGFR weiterhin eine Rolle spielen. Der eigentliche Laborwert auf dem Befund ist jedoch nicht einfach ein fester „Normalwert für Frauen“ oder „Normalwert für Männer“.
Entscheidend ist vielmehr, welche Berechnungsformel das Labor verwendet und wie der Wert im individuellen Zusammenhang zu beurteilen ist.
eGFR Tabelle: Einteilung der Nierenfunktion
Für die chronische Nierenerkrankung werden häufig folgende GFR-Kategorien verwendet:
| GFR-Kategorie | eGFR in ml/min/1,73 m² | Bezeichnung |
|---|---|---|
| G1 | ≥ 90 | normal oder hoch |
| G2 | 60–89 | leicht vermindert |
| G3a | 45–59 | leicht bis mäßig vermindert |
| G3b | 30–44 | mäßig bis stark vermindert |
| G4 | 15–29 | stark vermindert |
| G5 | < 15 | Nierenversagen beziehungsweise Niereninsuffizienz im Endstadium |
Wichtig: Eine eGFR von 60–89 bedeutet nicht automatisch eine chronische Nierenerkrankung. Für die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung müssen weitere Kriterien und insbesondere die Dauer der Veränderung berücksichtigt werden.
Warum die eGFR wichtiger sein kann als Kreatinin allein
Kreatinin ist ein nützlicher Laborwert, hat aber eine wichtige Einschränkung: Die Konzentration hängt auch von der Muskelmasse ab.
Die eGFR versucht deshalb, zusätzliche Faktoren zu berücksichtigen. So lässt sich die Nierenfilterleistung besser abschätzen als durch die alleinige Betrachtung des Kreatininwertes.
Das bedeutet beispielsweise:
Kreatinin normal + eGFR normal:
In vielen Fällen spricht dies für eine unauffällige Nierenfiltration, sofern keine anderen Auffälligkeiten bestehen.
Kreatinin erhöht + eGFR vermindert:
Dies kann auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hindeuten und sollte ärztlich eingeordnet werden.
Kreatinin normal + eGFR vermindert:
Auch diese Konstellation kann vorkommen, insbesondere wenn Muskelmasse, Alter oder andere Faktoren die Kreatininkonzentration beeinflussen.
Nierenwerte bei Frauen und Männern
Die Referenzbereiche für Kreatinin unterscheiden sich häufig zwischen Frauen und Männern. Ursache ist vor allem die durchschnittlich unterschiedliche Muskelmasse.
Bei der eGFR wird das Geschlecht in vielen Berechnungsformeln ebenfalls berücksichtigt. Bei der Interpretation sollte aber nicht nur auf das Geschlecht, sondern auch auf Alter, Körperbau und Verlauf geachtet werden.
Allgemeine Tabellen können daher lediglich eine erste Orientierung liefern. Der konkrete Laborbefund mit dem angegebenen Referenzbereich ist wichtiger.
Nierenwerte im Alter
Bei älteren Menschen ist die Interpretation der Nierenwerte besonders wichtig. Eine gewisse Abnahme der GFR kann Teil der normalen Alterung sein. Gleichzeitig treten Nierenerkrankungen im höheren Lebensalter häufiger auf.
Deshalb sollte eine eGFR beispielsweise von 65 ml/min/1,73 m² bei einer 80-jährigen Person nicht genauso bewertet werden wie bei einer 25-jährigen Person.
Zusätzliche Untersuchungen können helfen, die Situation besser einzuschätzen. Dazu gehören insbesondere Urinuntersuchungen auf Eiweiß beziehungsweise Albumin sowie die Betrachtung des Verlaufs der eGFR.
Albumin im Urin: Ein wichtiger Zusatzwert
Die Nierenwerte im Blut erzählen nicht die ganze Geschichte. Auch eine Urinuntersuchung kann wichtige Informationen liefern.
Insbesondere der Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin (ACR) kann bei der Beurteilung einer chronischen Nierenerkrankung eine wichtige Rolle spielen.
Eine erhöhte Albuminausscheidung kann auf eine Schädigung der Nierenfilter hinweisen. Deshalb werden bei Verdacht auf eine Nierenerkrankung häufig Blut- und Urinwerte kombiniert.
Auch beim gesetzlichen Gesundheits-Check-up kann eine Urinuntersuchung Hinweise auf mögliche Nieren- oder Blasenerkrankungen liefern.
Was bedeutet ein erhöhter Kreatininwert?
Ein erhöhter Kreatininwert kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem:
- eingeschränkte Nierenfunktion
- Flüssigkeitsmangel
- bestimmte Medikamente
- hohe Muskelmasse
- intensive körperliche Belastung
- akute Erkrankungen
- Veränderungen der Nierendurchblutung
Deshalb sollte ein einzelner erhöhter Wert nicht vorschnell als chronische Nierenerkrankung interpretiert werden.
Häufig ist es sinnvoll, den Wert im Verlauf zu kontrollieren und gleichzeitig eGFR, Harnstoff, Urinbefund und gegebenenfalls weitere Parameter zu betrachten.
Was bedeutet ein niedriger Kreatininwert?
Ein niedriger Kreatininwert ist meistens weniger besorgniserregend als ein deutlich erhöhter Wert. Er kann beispielsweise mit geringer Muskelmasse zusammenhängen.
Bei älteren, sehr schlanken oder körperlich wenig muskulösen Menschen kann Kreatinin deshalb relativ niedrig sein. Gerade in solchen Situationen ist die isolierte Betrachtung des Kreatinins wenig aussagekräftig.
Was bedeutet ein hoher Harnstoffwert?
Ein erhöhter Harnstoffwert kann bei eingeschränkter Nierenfunktion auftreten. Er kann jedoch auch bei Flüssigkeitsmangel oder einer erhöhten Eiweißzufuhr beziehungsweise einem gesteigerten Eiweißabbau entstehen.
Deshalb gilt auch hier:
Harnstoff erhöht bedeutet nicht automatisch Nierenerkrankung.
Die Kombination mit Kreatinin und eGFR ist wesentlich aussagekräftiger.
Wann sind Nierenwerte auffällig?
Besonders relevant sind:
- deutlich steigende Kreatininwerte
- eine wiederholt niedrige eGFR
- eine über längere Zeit abnehmende eGFR
- deutlich erhöhte Albuminausscheidung im Urin
- Kombinationen mehrerer auffälliger Nierenwerte
- zusätzliche Beschwerden oder bekannte Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren für Nierenerkrankungen gehören beispielsweise Diabetes mellitus und Bluthochdruck.
Nierenwerte Tabelle: Die wichtigsten Werte im Überblick
| Wert | Wofür steht er? | Typische Interpretation |
|---|---|---|
| Kreatinin | Stoffwechselprodukt aus dem Muskelstoffwechsel | Wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden |
| eGFR | geschätzte glomeruläre Filtrationsrate | Wichtigster Laborparameter zur Abschätzung der Filterleistung |
| Harnstoff | Eiweißabbauprodukt | Kann bei eingeschränkter Ausscheidung ansteigen |
| Harnsäure | Purinabbauprodukt | Kann bei eingeschränkter Ausscheidung ansteigen |
| Albumin im Urin | Eiweißausscheidung | Kann auf eine Schädigung der Nierenfilter hinweisen |
| ACR | Albumin-Kreatinin-Quotient | Hilft bei der Beurteilung der Albuminausscheidung |
Fazit: Nierenwerte richtig deuten
Kreatinin, Harnstoff und eGFR gehören zu den wichtigsten Parametern, wenn die Nierenfunktion beurteilt werden soll. Kreatinin ist ein Stoffwechselprodukt, das über die Nieren ausgeschieden wird. Harnstoff entsteht beim Eiweißabbau und wird ebenfalls über die Nieren entfernt. Die eGFR schätzt dagegen direkt die Filterleistung der Nieren.
Für die Beurteilung im Jahr 2026 gilt: Nicht ein einzelner Wert entscheidet über eine mögliche Nierenerkrankung. Vielmehr sollten Alter, Geschlecht, Kreatinin, eGFR, Harnstoff, Urinbefund und der zeitliche Verlauf gemeinsam betrachtet werden.
Eine dauerhaft reduzierte eGFR oder eine auffällige Eiweißausscheidung im Urin sollte ärztlich abgeklärt werden. Ebenso sollte ein deutlich veränderter Kreatininwert nicht eigenständig interpretiert werden.
Allgemeine Tabellenwerte können eine erste Orientierung bieten. Für den eigenen Laborbefund sind jedoch die Referenzbereiche des untersuchenden Labors und die individuelle ärztliche Bewertung maßgeblich.
Quellen und weiterführende Informationen
- gesund.bund.de – Kreatinin – Grundlagen zum Kreatinin und seiner Bedeutung für die Nierenfunktion.
- gesund.bund.de – Nierenretentionswerte – Informationen zu Kreatinin, Harnstoff und weiteren Nierenwerten.
- gesund.bund.de – GFR – Erklärung der glomerulären Filtrationsrate.
- KDIGO – Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of CKD – Internationale Leitlinie zur chronischen Nierenerkrankung und GFR-Bestimmung.
- gesund.bund.de – Gesundheits-Check-up – Informationen zu Blut- und Urinuntersuchungen im Rahmen der Vorsorge.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Referenzbereiche können je nach Labor und Messmethode abweichen. Bei auffälligen Nierenwerten oder Beschwerden sollte die Befundkonstellation ärztlich beurteilt werden.